Verändern soziale Medien den Sinn des Pilgerns? Pilgern gewinnt in den sozialen Medien zunehmend an Aufmerksamkeit. Während
bekannte Wege wie der Jakobsweg davon zu profitieren scheinen, bleibt der Europäische Pilgerweg
VIA NOVA bislang weitgehend unbekannt.

Von Jana Jakobeit, Sarah Jedrzejowski,
Hannah Paulus, Andrea Schon

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Pilgern als Trend in den sozialen Medien

Aktuell tauchen auf den Startseiten von sozialen Netzwerken wie Instagram und TikTok immer öfter Personen auf, die Pilgerwege wie den Jakobsweg gehen und ihre Reisen online mit anderen teilen. Influencerinnen wie Christine Türmer (@christine_tuermer), Saskia Fröhlich (@saskiaistfroehlich) oder Laura Herz (@lauraherz) begeistern mit ihren Beiträgen zehntausende bis mehrere hunderttausende Abonnenten. Sie zeigen ihre Pilgerrouten sowie gegangene Etappen und geben nützliche Tipps für Pilgerinteressierte zur richtigen Ausrüstung oder Verpflegung.

Gemeinsam ist ihnen: Sie pilgern vor allem auf bekannten Wegen im Ausland wie dem Jakobsweg in Spanien, dem Paulusweg in der Türkei oder dem Olafsweg, der durch Schweden und Norwegen führt. Der Europäische Pilgerweg VIA NOVA Unbekannter bleiben hingegen Wege wie der Europäische Pilgerweg VIA NOVA, der durch Tschechien, Österreich sowie Niederbayern verläuft. Anders als beispielsweise beim Jakobsweg existiert kein festgelegtes Ziel, sondern eine Route mit mehreren Haupt- und Nebenstrecken, die weitere Pilgerwege schneiden. Wichtiger als feste Start- und Endpunkte ist laut dem Verein VIA NOVA, den Weg als Reise zu sich selbst zu verstehen: „Indem ich den Weg aufnehme, bin ich gleichzeitig auf dem Weg zu mir“, gibt der Verein online an. Der Weg kann in kurzen Tagestouren oder am Stück gegangen werden.

Magdalena Lummer begleitet Menschen auf dem Pilgerweg

Magdalena Lummer arbeitet für das Bistum Passau und ist in dieser Funktion zugleich für den Pilgerweg mitverantwortlich. Als Pilgerwegbegleiterin begleitet sie Gruppen von Pilgern auf unterschiedlichen Etappen des Wegs. Zudem zeigt sie ihre Arbeit auf ihrem eigenen Instagram-Kanal @magdio. Hier veröffentlicht sie Landschaftsfotos vom Pilgerweg, Gedichte, sowie Selfies und Impressionen aus Passau. Lummer sieht ihren öffentlichen Auftritt als Möglichkeit,
möchte ihm zugleich aber keine zu große Bedeutung beimessen. „Zum einen ist’s einfach mein persönliches Tagebuch. Zum anderen merke ich, dass Leute die Zusammenstellung mögen von Fotos, wo sie Landschaft sehen, aber auch Texte, die dazu passend sind. Ob das jetzt ein Gedicht ist oder ein spiritueller Text, das ist unwesentlich.“

„Ich glaube, dass die Leute nach Tiefe suchen, auch im öffentlichen Raum, auf sozialen Medien.“ (- Magdalena Lummer)

Der Sinn des Pilgerns hat sich nicht verändert

Den Sinn des Pilgerns sieht sie vor allem in der Möglichkeit, sich im stressigen Alltag Auszeiten zu nehmen und gleichzeitig nach „Lebendigkeit“ – wie sie es nennt – zu suchen. „Es geht darum zu erfahren, wie viel man nicht beeinflussen kann und wie viel einem geschenkt wird.“ Die Pilger, die mit Lummer auf dem Pilgerweg VIA NOVA unterwegs sind, bestätigen dieses Gefühl. Für sie geht es vor allem darum, „innere Ruhe“ zu finden, Abstand vom Alltag zu gewinnen und zu entspannen. Viele von ihnen pilgern nicht zum ersten Mal und möchten ihre Erfahrungen an jüngere Menschen weitergeben. Der Altersdurchschnitt auf dem Weg ist derzeit hoch – jüngere Pilgerinnen und Pilger sind bislang eher die Ausnahme. Gerade deshalb wünschen sich viele der erfahrenen Pilger, dass sich künftig auch mehr junge Menschen für diese Form des Unterwegsseins begeistern.

Der Trend „Pilgern“ in Passau und Niederbayern

Gleichzeitig gewinnen bekannte Pilgerwege wie der Jakobsweg in Spanien immer mehr an Aufmerksamkeit. Laut Zahlen des Pilgerbüros von Santiago de Compostela machten sich im Jahr 2005 noch 100 000 Pilger auf den Weg, während es 2025 über 500 000 waren. Inwiefern die verstärkte Aufmerksamkeit in den sozialen Medien dazu beigetragen hat, ist nicht klar. Dennoch wird deutlich: Pilgern wird immer beliebter. Der Pilgerweg VIA NOVA konnte davon allerdings noch nicht profitieren. Die Stadt Passau sieht den Weg zwar als Möglichkeit, Tourismus in Passau und der Region Niederbayern zu steigern, doch „eine auffallende Frequenz an Via Nova-Pilgern in den Tourist-Infos der Stadt Passau konnte bisher nicht dokumentiert werden“, gibt das Stadtmarketing an. Da die Menschen, die auf dem Pilgerweg VIA NOVA unterwegs sind, nicht genau erfasst werden, liegen allerdings keine konkreten Besucherzahlen für den Weg vor.

Für Magdalena Lummer ist trotzdem klar: Das Gefühl der Lebendigkeit, das das Pilgern für sie ausmacht, kann jeder Mensch auf jedem Pilgerweg für sich entdecken. Soziale Netzwerke können die Aufmerksamkeit für das Thema Pilgern erhöhen und neue Menschen dafür begeistern. Ob sich dieser Trend künftig auch auf weniger bekannte Wege wie den VIA NOVA überträgt, bleibt allerdings offen.